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Klausurcoaching für Fortgeschrittene

 

Niedersächsische Justiz macht mobil
gegen Corona 

 

Der Referendarpersonalrat Celle fragte mich Ende 2020, ob ich aus Anlass der Pandemie für die ExamenskandidatInnen eine Art Kurzrepetitorium anbieten könne. Das OLG Oldenburg griff dies auf. Probeweise habe ich kurzfristig im November und Dezember 2020 vier Webinare abgehalten. Die  Referendarpersonalräte Celle, Braunschweig und Oldenburg baten um Fortsetzung des Projekts.

 

Das Oberlandesgericht Oldenburg bietet aus diesem Grund im Einvernehmen mit den Oberlandesgerichten Celle und Braunschweig für die niedersächsischen ReferendarInnen zur Vorbereitung auf die zivilgerichtlichen Examensklausuren ein "Klausurcoaching für Fortgeschrittene" an. Im Februar, Mai und August wurden mit dieser Prämisse von mir jeweils sechs Webinare aus meinen Privaträumlichkeiten abgehalten. Ich verwende dabei Hardware, die ich auf meine Kosten - um der Sache willen gerne - angeschafft habe, u.a. eine sehr hochwertige Videokamera, die ich ausschließlich als Webcam einsetze. Im November wird zunächst letztmalig die Webinarreihe erneut angeboten. Das OLG Oldenburg wird die niedersächsischen ReferendarInnen des nächsten Examensklausurdurchgangs per Email zu dem Meeting einladen. Die Termine und den barrierefreien Meetinglink für die 6 Webinare finden Sie im Übrigen hier auf meiner Homepage unter dem Menüpunkt "Klausurcoaching für Fortgeschrittene" und ebenfalls auf der Seite des Oberlandesgericht Oldenburg (olg-oldenburg.de).

 

Wer in anderen Bundesländern sein Referendariat absolviert, kann ebenfalls an den Webinaren teilnehmen und zwar ohne vorherige Anmeldung - ein Service der niedersächsischen Justiz. Auch Sie sind eingeladen, bei mir in meinem buchstäblich privaten  "Fernsehstudio" vorbeizuschauen.

 

Die pandemiebedingten Einschränkungen neigen sich dem Ende zu (nachträgliche Anm.: das war der Stand Ende September als ich diesen Text verfasst habe). Ob das Projekt nach dem Webinardurchgang November gleichwohl auch in 2022 fortgesetzt wird, werden die drei Oberlandesgerichte nach dem Webinardurchgang u.a. auf der Grundlage der bisherigen Evaluationen entscheiden.

 

Übrigens: Engagierte RichterInnen und StaatsanwältInnen werden auch in den niedersächsischen OLG-Bezirken gesucht. Und Norddeutschland hat sehr schöne und lebenswerte Städte, z.B. Oldenburg. Schauen Sie sich doch einmal beim Oberlandesgericht Oldenburg (olg-oldenburg.de) oder bei der Generalstaatsanwaltschaft Oldenburg (niedersachsen.de) um.  

 

 

Ansonsten: Mein Blickwinkel auf Jura...

Auf dem Foto sehen Sie mich hinter zwei "Streithammel"  (so der offizielle Arbeitstitel des Künstlers). Die Streithammel stehen auf dem Gelände des Landgerichts Oldenburg.  Sie symbolisieren meine tägliche Arbeit als Zivilrichter.

 

Das Foto habe ich Anfang 2011 aufgenommen, also zu einer Zeit, als in Deutschland  lediglich ca. 10 % der Bürger Smartphones hatten und noch nicht gegendert wurde.  Anlass war die Einrichtung dieser Homepage. Aus meiner Sicht war die Zeit bereits damals reif für eine Digitalisierung der Ausbildung: Selbststudium nicht nur mit Hilfe der Ausbildungsliteratur, sondern auch on demand per Video-Clips. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits mehr als 10 Jahre als AG-Leiter tätig. Ich wollte meinen AG-Teilnehmern eine alternative Möglichkeit der Vor- und Nachbereitung des Unterrichts bieten. Anlass für die Idee "Videos on demand" (heute würden viele "podcast" dazu sagen) war jedenfalls auch eine sehr gute Freundin. Sie hatte während ihrer Referendarzeit Anfang der 90er Jahre ein Kind bekommen und sich damals zu Recht darüber beklagt, dass sie gegenüber den anderen Referendar:Innen benachteiligt sei, u.a. im Rahmen der Vor- und Nachbereitung des Stoffes. Und in diesem Kontext war es für mich dann auch konsequent,  die Videos barrierefrei zur Verfügung zu stellen. Junge Menschen sind der Aufwand wert. 

 

In der Zwischenzeit habe ich ca. 300 Video-Clips erstellt, die auf den nachfolgenden Seiten mit den dazugehörigen PDF-Dateien abgerufen werden können. Inhaltlich wird damit nach meiner festen Überzeugung der vollständige Stoff abgedeckt, der aus der Perspektive der Richterin und des Richters erster Instanz unter Examensgesichtspunkten von Bedeutung ist. In diesem Sinn stellen die Clips gleichsam ein online-Repetitorium im on demand Format dar. Die Videofilme können ganz überwiegend nur über diese Homepage aufgerufen werden und nicht über meinen youtube-account "jurrefzivil", in dem nur ganz vereinzelte Clips öffentlich eingestellt sind. 

 

Ich betreibe das Erstellen der Clips und die Homepage  im eigenen Namen, auf eigene Kosten (Beamer, Leinwand, Videokamera, Mikro usw) und in meiner Freizeit. Die z.T. unbefriedigende Ton-, Bild- und Regiequalität bitte ich mir nachzusehen, aber so ist das eben im Amateurbereich, ich arbeite dran. Das, was inhaltlich von Bedeutung ist, ist von der aktuellen Rechtsprechung und von aktuellen Rechtsänderungen weitestgehend nicht betroffen. Anders gewendet: Die Repetitoren des Jahres 1920 hatten den Referendar:Innen im Kern auch nichts anderes darzubieten als heute. Wo Aktualisierungen geboten sind, bemühe ich mich, die Materialien möglichst zeitnah auch filmisch abzudecken. Dass dies nur verzögert geschieht, liegt an dem erheblichen Zeitaufwand für das Drehen und insbesondere für das Schneiden der Videos. 

 

Mein inhaltlicher Blick als Otto Normaljurist auf Jura und die juristische Praxis:

 

Die juristische Praxis erfordert ordentliche handwerkliche Arbeit, nicht wissenschaftliches "Zauberwerk". Die Arbeitstechnik, also die Abarbeitung vorgegebener Strukturen steht absolut im Vordergrund, und zwar in erster Linie bei der Erarbeitung des Sachverhaltes und anschließend natürlich bei der Anwendung der relevanten materiellrechtlichen Normen.  Im Examen arbeitet man mit dem Palandt (jedenfalls in Niedersachsen). Die gleichsam willkürliche Erschwernis der Rechtsanwendung durch weitgehend sinnloses Auswendiglernen von "Streitigkeiten" für die Examensklausuren hat damit ein Ende. Haken Sie deshalb das erste Examen ab Die Karten werden neu gemischt! 

 

Voraussetzung dafür ist aber:

  1. die Strukturen  des materiellen Rechts  erkannt und verinnerlicht zu haben (das ist natürlich etwas grundlegend anderes als Meinungsstreitigkeiten zu kennen und zu beherrschen),
  2. die Fähigkeit und innere Bereitschaft zur "stumpfen" und sorgfältigen Anwendung der Strukturen (Lösungsskizze mit dem Palandt),
  3. Sorgfalt bei der Erarbeitung des "beigebrachten" Sachverhaltes und
  4. die Herausarbeitung der präzisen Beweisfrage(n). 

Die Punkte 2., 3. und 4. lesen sich zwar wie eine unproblematisch umzusetzende Selbstverständlichkeit. Die Ausbildungs- und Examenspraxis zeigt aber, dass hier häufig Defizite zu beobachten sind. 

 

Die Weitergabe meines handwerklichen Wissens an die Referendarinnen und Referendare ist mir ein Anliegen. Es bereitet mir sehr viel Freude, zu versuchen, das materielle Recht und das Prozessrecht didaktisch verständlich aufzubereiten, die praktische Relevanz aufzuzeigen und dabei auch selbst immer wieder neue Zusammenhänge und Aspekte zu entdecken.  

  

...und was den Inhalt meiner Materialien generell betrifft: Niemand ist perfekt, ich schon gar nicht. Bitte informieren Sie mich, wenn Sie den Eindruck haben, dass Inhalte nicht richtig, missverständlich oder (z.B. im Hinblick auf neue, von mir übersehene Entscheidungen) ergänzungswürdig sind. Selbstverständlich freue ich mich auch über sonstige Anregungen oder Tipps.

 

…in jedem Fall schon jetzt: Viel Erfolg für`s Examen wünscht Ihnen.

 

Günter König